Was Thai-Massage eigentlich ist
Thai-Massage ist eine eigene Tradition, keine sanftere Schwester der klassischen Massage. In Thailand heißt sie Nuad Phaen Boran, „uralte heilende Berührung“. Sie kommt ganz ohne Öl aus und arbeitet mit Druck und ruhigen Dehnungen statt mit langen Streichungen. Wenn Sie das zum ersten Mal erleben, erinnert es Sie wahrscheinlich eher an geführtes Yoga als an eine Massage, wie Sie sie aus dem Westen kennen.
Woher sie kommt: Indien, Thailand, Wat Pho
Die Legende führt die Thai-Massage auf Shivago Komarpaj zurück, einen Arzt zur Zeit Buddhas vor rund 2.500 Jahren. Belegt ist eine Verbindung aus indischem Ayurveda, Yoga und thailändischer Heilkunde, über Jahrhunderte weitergegeben in Klöstern und Familien.
Zusammengehalten wird diese Überlieferung vom Tempel Wat Pho in Bangkok. Im 19. Jahrhundert ließ König Rama III. die Lehren dort in Stein meißeln, damit sie nicht verloren gehen. Bis heute gibt die Schule am Wat Pho die Tradition weiter, und seriöse Thai-Ausbildungen führen direkt oder indirekt dorthin zurück.
Die Energielinien
Im Mittelpunkt der thailändischen Sicht auf den Körper stehen die Energielinien. Die Tradition zählt 72.000 davon; im Alltag arbeiten die Masseurinnen mit den zehn Hauptlinien, den Sip Sen.
Diese Linien beginnen im Bauchraum und ziehen in Beine, Arme und Kopf. Anatomisch verlaufen sie oft dort, wo heute Nervenbahnen, Muskelketten und Faszien liegen. Druck entlang der Linien soll, so die Tradition, den Energiefluss ordnen.
Wie gearbeitet wird: Druck und Dehnung
Das Werkzeug der Masseurin ist ihr eigener Körper. Die Daumen setzen punktgenauen Druck, Unterarme und Ellenbogen gehen in die Tiefe, Knie und Füße geben Hebel, den die Hände allein nicht schaffen. Dazu kommen ruhige Dehnungen, die an Yoga erinnern: Vorwärtsbeuge, gedrehter Schmetterling, liegende Hüftöffnung. Sie selbst bleiben entspannt, die Masseurin bringt Sie in die Position und hält sie.
Der klassische Ablauf führt von den Füßen über Beine, Bauch, Arme, Brust und Rücken bis zu Nacken und Kopf. In 60 Minuten bekommen Sie davon einen guten Querschnitt; mit 90 oder 120 Minuten kommt die Behandlung erst richtig zur Ruhe.
Was Thai-Massage nicht ist
Eine medizinische Behandlung ist sie nicht. Sie ersetzt keine Physiotherapie, keinen Arztbesuch und keine psychotherapeutische Begleitung. Bei akuten Verletzungen, einem Bandscheibenvorfall, einer Thrombose, einer Krebserkrankung oder im ersten Drittel der Schwangerschaft ist Thai-Massage entweder nicht geeignet oder sollte vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen werden.
Eine Wellness-Verklärung ist sie aber genauso wenig. Dahinter steckt Handwerk, das jahrelang geübt sein will. Bei einer erfahrenen Thai-Masseurin spüren Sie sofort den Unterschied zu einer schnellen Hotelmassage: Hier arbeitet jemand, der die Linien, den Druck und die Dehnungen wirklich kennt.
Thai-Massage in München
In Deutschland ist die Thai-Massage über die letzten Jahrzehnte angekommen, zuerst eher im Spa-Umfeld, heute in eigenen Studios mit klarer traditioneller Ausrichtung. Auch in München finden Sie inzwischen viele gut ausgebildete Thai-Masseurinnen. Wir arbeiten konsequent in dieser Linie und freuen uns, ein Stück dieser Entwicklung mitzutragen.